Stromlos – eine Chance?

Foto: NASA/Unsplash

Der Wiederaufbau der Eifel als Vorbild zum Umbau der Zivilisation. Wie wir der elektromagnetischen Zukunft entgehen können.

Von Otto Ulrich

Beide, das E-Auto wie auch der Wiederaufbau der Eifel brauchen Elektrizität. Unbedingt aber auch, wenn es weitergehen soll, ist der Ausbau der Digitalisierung darauf angewiesen. Woher allerdings kommt der Strom für die neuen Ladestationen, für den heruntergekühlten Betrieb der Quantencomputer, für die Häuser, in einer wiederaufzubauenden Eifel?

Eine Nachhaltigkeitslücke, es ist eine Stromlücke, öffnet sich. Bundesminister Peter Altmaier musste kürzlich eingestehen, dass Deutschland viel mehr Strom braucht, um seine bisherigen wirtschaftspolitischen Ziele zu erreichen – und jetzt kommt der Wiederaufbau der Eifel hinzu.

Und schnell kann nicht geliefert werden. Die Energiewende, angetreten, um die fossilen Energieträger durch erneuerbare Energien zu ersetzen, bleibt erst einmal nur ein Hoffnungsträger. Eine Abschätzung gerade auch der Folgen einer durchaus global sich abzeichnenden Stromlücke liegt nicht vor.

Das kann eine Chance sein, um (was jahrhundertelang Alltag war) über eine stromlose Zukunft nachzudenken, wie sie jetzt wohl erst einmal in der Eifelregion zu erwarten ist. Dort ist die Strominfrastruktur an einigen Stellen so stark zerstört, dass es Monate, wenn nicht Jahre dauern wird, bis sie wiederhergestellt sein wird, wie E.ON, der größte Stromanbieter in NRW, meldet.

Was für die einen Anlass ist, darüber zu grübeln, woher der notwendige Strom kommen kann, um „unsere“ elektrisch getragene Zivilisation – gerade einmal 100 Jahre alt – weiter in Betrieb zu halten, jubeln die anderen: der Weg in eine dichtere, elektro-magnetische Zukunft kommt erst einmal ins Stocken. Und das hat nicht nur mit der Eifel zu tun, die abgeschätzte Stromlücke hat grundsätzlichen Charakter.

Elektrizität sollte, es gehört zu den Grundlagen der Physik, immer im Zusammenhang mit ihrem Bruder, dem Magnetismus, gedacht werden. Der Mensch ist von Natur aus ein elektromagnetisches Wesen. Seit etwa 100 Jahren wird allerdings die Dichte der elektromagnetischen Felder um uns herum permanent erhöht: Wir leben geradezu in einer elektromagnetischen Epoche – immerhin Grundlage des industriellen Aufbruchs, Träger der Digitalisierung, des Internet. Kann das Zukunft haben? 

Eine Zukunft für die Digitalisierung wird es nur geben, wenn der stetig wachsende Stromhunger immer wieder neu gestillt werden kann – für 2121 wird eine strukturelle Stromlücke vorausgesagt:  auch Erneuerbare Energien haben ihre Grenzen. Das absehbar notwendige Herunterdimmen der Digitalisierung fordert aber schon jetzt zum Neudenken über eine nicht-elektrisch getragene Zukunft auf – eine Jahrhundertaufgabe.

Erkannt, aber noch nicht als Maßstab zum Handeln anerkannt: Die Welt lädt sich zunehmend magnetisch auf: Elektromagnetische Felder in hohen Frequenzbereichen sind tragende, allerdings verdrängte Signaturen der Digitalisierung. Sie sind energiereich genug um Elektronen aus Atomen zu lösen, was, so wird vermutet, auch an ihren biologischen Wirkungen (etwa strahleninduzierte Krebserkrankungen) ablesbar ist. Der ehemalige Bundespostminister Wolfgang Bootsch formulierte schon 1993: „Die aufgeregte Diskussion in der Bevölkerung über die Kernenergie dürfte in Relation zu dem, was uns die Mobilfunknetze (deren Träger die Digitalisierung ist) noch bescheren werden, nur ein laues Lüftchen sein.“

Es gibt eine zeitliche Korrelation zur Ausbreitung des Mobilfunks in den Krankenkassenreports und den Statistiken:

  • 80 Prozent der Studierenden haben heute mit Kopfschmerzen zu tun, was sie durchschnittlich bis zu zweieinhalb Tagen im Monat lahmlegt.
  • Heute haben wir 1,3 Millionen junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren, die einen Arzt aufsuchen, um sich Migränemittel verschreiben zu lassen, das sind 400 000 mehr als 2005.
  • 78 Prozent der Arbeitnehmer haben heute (teils schwere) Schlafstörungen.
  • Der Anteil der 15- bis 19-Jährigen mit Schlafstörungen hat sich seit 2006 verdoppelt.
  • Burnout, das Erschöpfungssyndrom ist Volkskrankheit.

Über 100 Studien bestätigen, dass Mobilfunkstrahlung oxidativen Stress auslöst. Dies ist alles seit Jahren bekannt und hochwissenschaftlich abgesichert. Es wird den Trend zum weiteren Einstieg in die Digitalisierung nicht brechen, genausowenig, wie es längst Aufrufe gibt, die vor den WLAN-Risiken und ihren Dauerbestrahlungen warnen. Die Frage, warum die gerade dynamisch weitergetriebene digitale Transformation an ein Ende kommen wird, ist, wie es aussieht, nicht von den politischen Parteien, nicht von ihren Stressoren, ihrer Reizüberflutung, ihren versteckten Risiken, nicht von ihren induzierten Erkrankungsarten her zu beantworten. Diese spielen in der interessengeleiteten Argumentenwelt um die weitere Digitalisierung absolut keine Rolle.

Das technisch aufgebaute elektromagnetische Potenzial übersteigt jetzt schon die natürliche Dichte der Magnetfelder um uns herum um ein Vielfaches: Wir leben in einer elektromagnetischen Wolke, die nun durch die Riesenakkus der E-Autos noch eine Steigerung erhält, ins Unkalkulierbare. Hinzu kommt: die Produktion eines E-Autos benötigt doppelt soviel Energie wie die eines Verbrenners. Das E-Auto ist eben kein Nullemissionsauto, wie eine neuere VDI-Studie zur „Ökobilanz zu batteriebetriebenen Antriebssystemen“ zeigt.
Nur folgerichtig: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Magnetismus als Krebsfaktor anerkannt. Damit wird der Magnetismus politisch.
Was genau passiert gerade?
Die Erfinder und Gründer der elektromagnetischen Zivilisation haben in der Elektrizität die „Seele der Natur“ gesehen, in Wahrheit haben sie eine untersinnliche Welt, in der der Mensch nichts zu suchen hat, gefunden – was sich heute, siehe Eifel, als Abhängigskeitsfalle herausstellt. Machen wir uns nichts vor: Wir sitzen mit unserem heutigen Zivilisationsverständnis, es ist global ausgelegt, in einer elektromagnetisch getragenen Falle.

Die E-Revolution, prominent gefordert, ist blind für die Sackgasse, in der wir längst mittendrin sitzen – den Blackout vor Augen, der Verdichtung der elektro-magnetischen Felder um uns herum ausgesetzt.

Den Gründervätern unserer Zeit, den Herren Galvani, Volta, Faraday und Hertz ist dies nicht anzulasten – sie waren gefeierte Stars der Gründerjahre um 1900. Wer dachte damals schon über die Folgen, zumal die Klimafolgen, des Aufstiegs der E-Zivilisation nach? Heute ist es kaum anders.

Der aus klimapolitischen Gründen notwendige Abschied vom Verbrennungsmotor wird hoffungsfroh verbrämt, wonach mit dem Aufstieg der Elektromobilität auch die Nachhaltigkeitsfrage, eine Zukunftsherausforderung, mit erledigt wäre. Das Gegenteil ist der Fall.

Markus Gabriel, Philosophie-Professor an der Universität Bonn, fordert, dass nach der virologischen Pandemie nunmehr eine „metaphysische Pandemie“ zu folgen habe – also ein Groß-Denken darüber, wie es mit der menschlichen Zivilisation in stromlosen Zeiten weitergehen könnte.

Noch mal: Woher kommt der Strom für die Akkus des neuen E-Autos? Woher kommt der „grüne“ Strom für die Quantencomputer? Notaggregate werden den Wiederaufbau der Eifel elektrisch möglich machen, die Grundsatzfrage ist nicht gelöst: Die Energiewende kann, zumal sie in ihrer CO2-Bilanz sehr grenzwertig ist, keine Lösung bringen. Grüne Batterien schließen sich aus: Lithium-Ionen-Akkus und die Magneten der Elektromotoren verschärfen die Rohstoff- und die Ausbeutungsfrage – von dem Emíssionsaufwand, Nickel, Mangan, Kobalt und Grafit aufzubereiten, ganz zu schweigen.

Die Entkopplung von Energieumsatz und Wirtschaftswachstum wird wohl wieder auf die Tagesordnung rücken: Suffizienz, nicht Effizienz, wird zum Gestaltungsfaktor der Zukunft gehören – die Eifel und dessen Wiederaufbau könnte zum Mustermodell für die Welt werden:

Eine Region aufzubauen, in der die Weltgemeinschaft wie in einem Brennspiegel erkennen und lernen kann, dass nur eine Perspektive der Energiesparsamkeit, der Entkopplung, also Wachstum ohne Energieaufwand, eine Kreislaufwirtschaft – und damit auch die Kontrolle der elektro-magnetischen Strahlungen – eine Zukunft haben wird.

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Dr. Otto Ulrich hat sich im Deutschen Bundestag viele Jahre mit Fragen der Technikfolgen-Abschätzung befasst; von ihm stammt das jüngst erschienene Buch:

Utopie einer lobbaren Zukunft. Zeitfelder 1921 – 2021 – 2121. Frankfurt 2021

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