Stiftung für Verantwortungseigentum gegründet

Deutliche Sympathien für die Idee: Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: Olaf Kosinsky/Wikimedia Commons

Unternehmen, die sich selbst gehören und nicht verkauft oder vererbt werden können: Eine Stiftung macht Ernst mit dem Motto „Eigentum verpflichtet“. Auch Annegret Kramp-Karrenbauer zeigte Sympathie für die Idee.

Ein Unternehmen zu führen, dass keinen privaten Eigentümer hat, ist in Deutschland bisher nur über komplizierte Stiftungskonstruktionen oder in Genossenschaftsform möglich – beides Wege, die aus unternehmerischer „Denke“ heraus eher unbeliebt sind. Eine neue Rechtsform zu etablieren, bei der das Unternehmen sich selbst gehört, das Kapital im Unternehmen bleibt und dieses auf Dauer unverkäuflich wird, hat sich die Stiftung Verantwortungseigentum auf die Fahnen geschrieben, die Ende November mit einem Festakt in Berlin begründet wurde.

Mitglieder der Stiftung sind knapp 30 Unternehmen, die sich selbst bereits durch verschiedene Vorkehrungen unverkäuflich gemacht haben – einige darunter auch aus dem anthroposophischen Umfeld, was nicht verwundert, da bereits Rudolf Steiner in seinen sozialphilosophischen Schriften eine solche treuhänderische Verfassung von Firmen angeregt hatte. Unternehmen in Verantwortungseigentum können weder vererbt noch Gegenstand von Übernahmespekulationen werden. Zu der Stiftung gehören Alnatura, Wala und die GLS Bank, aber auch die Warenhauskette Globus sowie diverse junge Unternehmen. Eines der Stiftungsziele ist die Realisierung eines entsprechenden Gesetzentwurfes, der das Wirtschaftsrecht in Deutschland erweitern würde.

Zur Freude von Armin Steuernagel, einem der treibenden Köpfe hinter dem Vorhaben, signalisierten im Rahmen der Gründungsveranstaltung auch hochrangige PolitikerInnen ihre Unterstützung. „An mir soll es nicht scheitern“, sagte etwa Wirtschaftsminister Peter Altmaier in einem Grußwort und kündigte an, auch Kontakte ins Justizministerium herstellen zu wollen.

Noch deutlicher gab die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Sympathie zum Ausdruck: Die Idee von Verantwortungseigentum sei wichtig in einer Zeit, in der Eigentumskonzentration und Shareholder Value in der Kritik stünden. „Ich finde, dass die Form des Verantwortungseigentums einen guten dritten Weg darstellt, um über die klassischen Familienunternehmen hinweg deutlich zu machen: Wirtschaft, so wie wir sie verstehen, basiert auch auf dem Prinzip der Verantwortung und auch auf Artikel 14 des Grundgesetzes Eigentum verpflichtet“, so die Politikerin. Kramp-Karrenbauer erinnerte daran, dass Unternehmen, die sich selbst gehören, in Dänemark schon eine größere Bedeutung haben. „Insofern wünsche ich mir, dass dieser Gründungsimpuls auch bei uns schnell weitere Verbreitung findet.“ Die Politikerin stellte in Aussicht, in der Bundestagsfraktion über die Idee zu sprechen. Vielleicht ergäbe sich auch die Möglichkeit, über das Thema in Form eines Wirtschaftsdialogs mit der Bundesregierung insgesamt zu sprechen, stellte Kramp-Karrenbauer unter dem Beifall der Anwesenden in Aussicht.

Über den Autor / die Autorin

Jens Heisterkamp

Jens Heisterkamp

Jens Heisterkamp, geboren 1958 in Duisburg, wuchs im Ruhrgebiet auf. Er studierte an der Ruhruniversität Bochum Geschichte, Literaturwissenschaft und Philosophie und wurde 1988 zum Dr. phil. promoviert. Nach der Begegnung mit der Anthroposophie lernte er während seines Zivildienstes die Heilpädagogik kennen und arbeitete als Dozent in der Erwachsenenbildung, kurzzeitig auch als Waldorflehrer, dann als Herausgeber und Autor. Seit 1995 ist er verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift info3 sowie Verleger und Gesellschafter im Info3 Verlag in Frankfurt am Main. Seine Themen sind Dialoge in Religion, Philosophie und Spiritualität, Offene Gesellschaft, Ethik.