Now!

Foto: W-Film

What do you want? Climate Justice! When do you want it? Now! Now – unter diesem Titel hat der bekannte Fotograf Jim Rakete eine filmische Dokumentation der Klimaschutzbewegung und ihrer jungen bis sehr jungen Aktivist*innen vorgelegt.

Aufnahmen von den Demonstrationen von Fridays for Future oder der Aktionen von Ende Gelände und Extinction Rebellion wirken schon fast wie aus der Zeit gefallen: So viele Menschen so nah beieinander auf einem Fleck – das war einmal. Was ist aus dem von Greta Thunberg (Jahrgang 2003) noch im Herbst 2019 beherzt vorgetragenen Aufruf „We stand together?“ geworden? Hat, wo Corona Tagesthema Nummer eins ist, die Klimaschutzbewegung an Boden verloren?

Höchste Zeit für diesen Film: Viele der hier vorgestellten Protagonist*innen haben sich bereits als Kinder mit Themen des Klimaschutzes befasst. Felix Finkbeiner (Jahrgang 1997) etwa, Gründer von plant-for-the-planet.org, startete mit zehn Jahren seine Kampagne zur globalen Bewaldung und rief zwei Jahre später vor der UN-Versammlung zum gemeinsamen Kampf für die Zukunft der Kinder auf. Marcella Hansch (Jahrgang 1986) erschrak beim Tauchen vor einem Fisch, der sie am Bein berührte, um dann festzustellen, dass es eine Plastikflasche war. Sie gründete Pacific Garbage Screening (seit Kurzem: Watch Out), ein Technologieunternehmen, das mit seinen Ideen für weniger Plastik im Ozean sorgen möchte. Oder Vic Barret, Jahrgang 1998, der sich mit Our Childrens Trust gegen Klimarassismus – steigende Meeresspiegel bedrohen vor allem die ärmeren Teile der Bevölkerung – wendet.

Viele der Aktivist*innen, die hier zu Wort kommen, kennt man irgendwie, kann sie aber doch nicht so wirklich einordnen. Die Zusammenschau ist wohltuend und schärft den Blick für die Tatsache, dass trotz des riesigen Engagements Aktivist*innen keine Einzelkämpfer*innen sind. Vernetzung bündelt die Potenziale, denn die Probleme, die durch den ungebremsten CO2-Ausstoß, Plastik in den Weltmeeren und die Risiken des Klimawandels entstehen, sind nur gemeinsam lösbar. Das wissen sie alle.

Zu dieser Gemeinsamkeit gehört, dass nicht blinder Aktionismus, nicht Chaos, sondern reflektiertes Handeln die Zugrichtung bestimmt. Denken und Tun gehen auf beeindruckend selbstverständliche Weise Hand in Hand – nicht zu vergessen die Gefühle. „Die Hoffnung stirbt, das Handeln beginnt.“ Nike Mahlhaus, Jahrgang 1993, Sprecherin von Ende Gelände, zitiert dieses Motto von Extinction Rebellion und erzählt, wie wohltuend es ist, wenn es einen Resonanzraum gibt, in dem die negativen Gefühle Platz haben.

Now bedeutet, nicht mehr zu warten, Verantwortung für einen Prozess zu übernehmen, dem niemand gewachsen ist. Es ist fast rührend, dass der Film neben diesen klugen und mutigen jungen Menschen auch einsame Ikonen wie Patti Smith und Wim Wenders zu Wort kommen lässt. Nötig hat er es nicht.

Läuft ab 28. Januar in verschiedenen Kinos. Aufführungstermine hier.

Ab 21.Mai 2021 als DVD auch im Info3 DVD-Shop.

Über den Autor / die Autorin

Silke Kirch

Silke Kirch

Dr. Silke Kirch ist promovierte Geisteswissenschaftlerin, Lebens- und Sozialkünstlerin und lebt in Frankfurt am Main.