But Beautiful – Schritte in ein neues Leben

"Frauen werden die Welt verändern": Solar Mamas in Indien. Foto: Pandora Film.

Ist ein anderes Leben möglich? Eines, in dem wir in Verbundenheit und Liebe leben? Erwin Wagenhofer zeigt in seinem Film lebendige Beispiele, die uns helfen können, die Angst vor einem neuen Leben zu überwinden.

Die Sehnsucht nach einem Leben fern von Profit- und Karriereorientierung schlummert in vielen Menschen rund um den Globus. Obwohl es zahlreiche Ideen für alternative Lebensformen gibt, fällt den meisten die Veränderung doch schwer – oft bedingt durch das kapitalistische System, das große Hürden in den Weg zu einer anders geordneten Welt legt. Der österreichische Filmemacher Erwin Wagenhofer ist bekannt für seine Dokumentarfilme We feed the World, Let’s Make Money und Alphabet, in denen er die Schattenseiten der globalisierten, wachstumsgetriebenen Welt aufdeckt und kritisiert, im Ernährungs-, im Finanz- und im Bildungssystem. Mit But Beautiful wendet er sich nun dem „Schönen und Guten“ zu und geht filmisch auf Entdeckungsreise: zu einem Permakulturprojekt in La Palma, zum Barefoot College, dem ersten Solarlicht-Ausbildungszentrum für Frauen in Indien, zu einem Förster und Unternehmer in Österreich, der nachwachsendes Holz als Baustoff nutzt und zu Musiker*innen in New York, Mexiko und Österreich, die ihr Publikum in bewegende Klangwelten mitnehmen. Und dazu kommt der Dalai Lama, der auf einem Treffen internationaler Wissenschaftler*innen mit seiner sehr weisen, lustigen Art den Kern des Problems nennt: Wir müssen verstehen, dass nichts unabhängig existiert. Er erinnert daran, dass wir als Kinder friedlich und glücklich auf die Welt kommen und nicht nach Nationalität oder Religion unterscheiden. Es ist nie zu spät, anzufangen, den Blick wieder nach Innen zu richten, ermutigt Jetsun Pema, die Schwester des Dalai Lama.

Mit einem ersten, entschiedenen Schritt haben auch die Entwicklungen der im Film gezeigten Projekte und Personen begonnen.

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Der Trailer zum Film

In Indien: Die erste Solar Mama Indiens erzählt, ihre Mutter habe sie von einer Ausbildung abhalten wollen, weil sie so von ihrem Mann unabhängig werden könnte, was in der Gesellschaft nicht gerne gesehen würde. Doch die Tochter lernte trotzdem am Barefoot College Solarlampen und -kocher zu bauen. „Wenn es eine Frau kann, können es auch viele.“ Mittlerweile lernen viele Frauen am Barefoot College, das von Bunker Roy mitgegründet wurde. „Wir waren schon sehr früh davon überzeugt, dass man für einen grundlegenden Wandel, nicht nur in Indien, sondern überall auf der Welt, die Frauen ansprechen und dafür gewinnen muss. Frauen werden die Welt verändern. Sie werden die Vorbilder sein.“

In Spanien: Barbara und Erich Graf sind nach La Palma ausgewandert, leben dort durch ihr müßig aufgebautes Permakulturprojekt vollständig autark und haben die lebendige Natur in den Mittelpunkt ihres Schaffens gestellt. Bienen tummeln sich an den Waben. Den Honig werden sie für sich behalten dürfen. Der große Garten besteht aus Erdhügeln, damit der Regen besser in die Erde eindringen kann. Mit Ziegenmist stellen sie Humus, das schwarze Gold, her, das sie gelegentlich auch an Freunde verschenken. Denn: „An Mist mangelt es immer,“ schmunzelt Erich Graf.

In Österreich: Erwin Thoma gilt als Pionier der Kreislaufwirtschaft. Er schaukelt mit kindlicher Leichtigkeit in seinem Haus, das vollständig wieder zur Erde zurück gehen kann, in mehreren Tausend Jahren. Der Wald ist sein Zuhause, die Fülle des Waldes sein Lebensantrieb. Und in einer Vollmondnacht schaut er dem Wald beim Schlafen zu.

In den USA, Mexiko und Österreich: Kenny Werner, Lucia Pulido und Mario Rom machen Musik. Dabei ist es eigentlich egal, was das Ergebnis sein wird, erklärt Rom. Es kommt darauf an, die Musik zu empfangen und mit den anderen in Verbindung zu sein.

Doch was haben all diese Personen und Projekte gemeinsam, die so leidenschaftlich von ihren Tätigkeiten erzählen? „Die größere Gefahr besteht nicht darin, dass wir uns zu hohe Ziele setzen und sie nicht erreichen, sondern darin, dass wir uns zu niedrige Ziele setzen und sie erreichen.“ Dieses Zitat von Michelangelo leitet den Film ein und deutet auf große Zukunftsliebe und großes Vertrauen in ein Leben in Verbundenheit mit der Natur und den Menschen untereinander.

Die Größe des Films liegt aber vor allem in der Kraft der Bilder, des Meeres, des Waldes und der sichtbaren Geschichten – mehr noch als in den bedeutungsschweren Worten der Protagonist*innen. Die Worte der einen überlagern Bilder von anderen und mit der damit suggerierten Verbundenheit von allen und allem trägt der Film an manchen Stellen ein bisschen zu stark auf. Und trotzdem: Der Film weckt das Erinnern an unsere eigene Größe und unsere Fähigkeit, dem Leben zu lauschen, anstatt es mit Egoismus zu ersticken. Den Blick mehr nach innen zu richten, anstatt uns immer nur vom Außen leiten zu lassen. Sich auf das, was da ist – ob es Musik, Wald, Liebe oder etwas ganz Materielles ist – einzulassen.

Der Film ist auf DVD ist in unserem info3 – Shop erhältlich.

Über den Autor / die Autorin

Andrea Kreisel

Andrea Kreisel

Andrea Kreisel hat Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle Praxis an der Universität Witten/Herdecke studiert und ist seit 2019 redaktionelle Mitarbeiterin bei Info3.