Antisemitismus im Islam: Ein Buch zur rechten Zeit

Muhammad Sameer Murtaza: Schalom und Salam. Info3 Verlag 2018

Mit seinem Buch belegt der Autor Muhammad Sameer Murtaza, dass der Islam sich nicht als Grundlage für Antisemitismus eignet.

Statistisch gesehen ist muslimisch motivierter Antisemitismus verglichen mit rechtsextremen Delikten zwar eher gering. Dennoch ist die Öffentlichkeit in jüngster Zeit zurecht vom Problem eines islamischen Antisemitismus verunsichert: „Du Jude“ als Schimpfwort auf Schulhöfen, brennende Israel-Fahnen und Angriffe auf junge Israelis in Berlin sind alarmierende Warnsignale, die durch Migration aus arabischen Ländern zugenommen haben.

Gerade rechtzeitig kommt da eine Stimme aus der deutschen Islam-Community selbst, die sich kritisch mit diesem Problem auseinandersetzt. Autor ist der junge Islamwissenschaftler und Philosoph Dr. Muhammad Sameer Murtaza, der bei der von Hans Küng gegründeten Stiftung Weltethos den Islam vertritt. Murtaza wurde als Kind pakistanischer Einwanderer in Deutschland geboren und studierte Islamkunde und Politikwissenschaften. Sein neues Buch ist die Frucht einer jahrelangen Forschung über einen Antisemitismus, den er als „islamisch verbrämt“ bezeichnet. Denn, so die Überzeugung des Autors: Antisemitismus ist dem muslimischen Glauben keinesfalls inhärent und aus dem Koran lässt sich Hass auf Juden nicht ableiten. Andernfalls wäre auch die über Jahrhunderte friedlich verlaufene Koexistenz der beiden Bruderreligionen nicht möglich gewesen. Sein Buch trägt daher als Titel die beiden Friedensgrüße „Schalom und Salam“, mit denen der Autor für gegenseitiges Verständnis und Annäherung wirbt – auch angesichts des Nahostkonflikts, der trotz erlittenen Unrechts auf beiden Seiten nach Überzeugung Murtazas niemals zu antisemitischen Einstellungen führen dürfe.

Dass dieses Buch jetzt in einem anthroposophischen Verlag erscheint, hängt mit einem Islam-Interesse zusammen, das durch die Verbindung von Info3 zu dem ägyptischen Visionär Ibrahim Abouleish entstanden ist (dessen Autobiographie ebenfalls im Info3 Verlag erschienen ist). Das Thema Islam schlug sich auch in verschiedenen Schwerpunktausgaben der Zeitschrift Info3 nieder und hat zu persönlichen Kontakten geführt, aus denen sich die Anfrage Murtazas an den Verlag ergeben hatte. Der Info3 Verlag sieht in diesem Projekt eine Chance der Vermittlung im interreligiösen Dialog, der hohe gesellschaftliche Relevanz zukommt.

Muhammad Sameer Murtaza
Schalom und Salam
Wider den islamisch verbrämten Antisemitismus.
Klappenbroschur 160 Seiten, € 16,90.

Über den Autor / die Autorin

Jens Heisterkamp

Jens Heisterkamp

Jens Heisterkamp, geboren 1958 in Duisburg, wuchs im Ruhrgebiet auf. Er studierte an der Ruhruniversität Bochum Geschichte, Literaturwissenschaft und Philosophie und wurde 1988 zum Dr. phil. promoviert. Nach der Begegnung mit der Anthroposophie lernte er während seines Zivildienstes die Heilpädagogik kennen und arbeitete als Dozent in der Erwachsenenbildung, kurzzeitig auch als Waldorflehrer, dann als Herausgeber und Autor. Seit 1995 ist er verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift info3 sowie Verleger und Gesellschafter im Info3 Verlag in Frankfurt am Main. Seine Themen sind Dialoge in Religion, Philosophie und Spiritualität, Offene Gesellschaft, Ethik.